Ein Freiwilliger für viele Projekte

Ein Freiwilliger für viele Projekte

Ein Sonderprogramm ermöglicht Initiativen und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe eine maßgeschneiderte Stelle für Bundesfreiwilligendienstleistende einzurichten.

„Jetzt können Sie noch Lebensmittel für 20 Punkte kaufen“, sagt Robin Itzek zu seiner Kundin. Der 18-Jährige steht hinter dem Tresen im Verkaufsraum der Ausgabe im Gemeindezentrum in Wachtberg bei Bonn. „Bei der ,Zugabe‘ werden gespendete Lebensmittel an bedürftige Wachtberger und Menschen mit Fluchterfahrung verkauft“, erläutert er. Seit einem Monat unterstützt Robin als Bundesfreiwilligendienstleistender (BFD-ler) dieses und andere Projekte der Flüchtlingshilfe der Kirchengemeinde St. Marien in Wachtberg.

„Donnerstags helfe ich bei der Zugabe mit, am Wochenende beim Samstagstreff und an den restlichen Tagen arbeite ich im Familienzentrum oder unterstütze einzelne Geflüchtete beim Ausfüllen von Anträgen oder bei Behördengängen“, berichtet der junge Erwachsene aus Brühl.

 

Robin Itzek arbeitet als Bundesfreiwilligendienstleistender (BFD-ler) bei der Kirchen-gemeinde St. Marien in Wachtberg in verschiedenen Flüchtlingshilfeprojekten mit.
Robin Itzek arbeitet als Bundesfreiwilligendienstleistender (BFD-ler) bei der Kirchen-gemeinde St. Marien in Wachtberg in verschiedenen Flüchtlingshilfeprojekten mit. Bild: Manuela Markolf

Sonderprogramm des Bundesfreiwilligendienstes

Das Besondere an Robins Stelle ist, dass er zwar von der Kirchengemeinde St. Marien in Wachtberg eingestellt wurde, aber in vielen unterschiedlichen Projekten tätig ist, die alle einen Bezug zur Flüchtlingshilfe haben. Möglich ist dies durch das Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst nach § 18 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes (BFDG). Die Freiwilligen werden von einer anerkannten BFD-Einsatzstelle eingestellt, die sie dann an andere Projekte oder Einrichtungen „entsenden“ können. „Damit wollte der Gesetzgeber der Tatsache gerecht werden, dass viele Initiativen, Projekte oder Einrichtungen der Flüchtlingshilfe sich über die Unterstützung von Bundesfreiwilligen freuen, aber nicht genug Arbeit für sie oder nicht die finanziellen Mittel haben, um sie Vollzeit zu beschäftigen“, sagt Dr. Thomas Möltgen, Vorstandsmitglied des Bildungsträgers Freiwillige soziale Dienste im Erzbistum Köln e.V. (FSD Köln).

Die Projekte, die Robin als BFD-ler unterstützt, stehen alle unter der Federführung der Kirchengemeinde und dem dazugehörigen Familienzentrum St. Marien. Nach § 18 könnte der BFD-ler aber auch in Projekten oder Einrichtungen der Flüchtlingshilfe tätig werden, mit denen die Kirchengemeinde lediglich vernetzt ist. „Der BFD-ler der Kirchengemeinde St. Marien könnte beispielsweise an bestimmten Tagen in einer Offenen Ganztagsschule oder einer Beratungsstelle mitarbeiten, mit der die Kirchengemeinde kooperiert“, sagt Möltgen.

Robin gefallen die vielfältigen Aufgaben

Robin schätzt die Bandbreite seiner BFD-Stelle sehr: „Ich habe hier mit vielen unterschiedlichen Zielgruppen zu tun, das finde ich spannend.“ Im Familienzentrum kümmert er sich schwerpunktmäßig um die Flüchtlingskinder, bei der Zugabe hilft er bei der Organisation und der Vergabe der Lebensmittel mit und beim Samstagstreff organisiert er, welche Ehrenamtlichen Deutschkurse für geflüchtete Erwachsene übernehmen und welche derweil deren Kinder betreuen. Darüber hinaus übernimmt er je nach Bedarf Einzelfallhilfen. „Eine Zeit lang habe ich einem syrischen Pärchen einmal die Woche Deutschunterricht gegeben und nächste Woche gehe ich mit zwei Brüdern aus Syrien ins Museum König in Bonn.“

Robin hat sich um einen Freiwilligendienst beworben, weil er geflüchteten Menschen helfen und mit ihnen direkt in Kontakt kommen wollte. „In der Nähe meines Elternhauses in Brühl wurde ein Erstaufnahmelager eingerichtet“, sagt er, „von den dort lebenden Menschen bekomme ich aber kaum etwas mit.“ Dafür sei er aber immer wieder mit der Gegenwehr von Einheimischen konfrontiert worden. Deshalb wollte er sich zwischen Schule und Studium ganz bewusst ein Jahr für Menschen mit Fluchterfahrung einsetzen.

Frische Lebensmittel aus Sammelaktion

„Oh es gibt ja Äpfel und Eier.“ Eine ältere Frau hat gerade den Verkaufsraum der Zugabe betreten. „Am Wochenende hatten wir eine Sammelaktion vor dem Einkaufszentrum in Wachtberg, deshalb gibt es nun auch frische Lebensmittel“, sagt eine der ehrenamtlichen Frauen, die die Zugabe initiiert haben und organisieren. Robin ergänzt: „Sonst werden in der Zugabe gegen einen geringen Preis vorwiegend haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel verkauft.“ Der begeisterte FC-Fan fügt sich gut in das Team der ehrenamtlichen Frauen ein, die allesamt von ihm begeistert sind. „Zu Beginn stand ich der Idee, dass hier ein BFD-ler mitarbeitet, skeptisch gegenüber“, gesteht eine Dame. Doch jetzt empfinde sie Robin als große Stütze und Hilfe.

Bundesfreiwilligendienst für alle Altersklassen

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes im Jahr 2011 gibt es den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Er steht Frauen und Männern grundsätzlich ab 16 Jahren offen, eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Es wird zwischen dem BFD für unter und dem BFD für über 27-Jährige unterschieden.
Beim BFD für unter 27-jährige arbeiten Frauen und Männer in der Regel zwölf Monate Vollzeit in einer sozialen Einrichtung mit und nehmen an fünf Bildungswochen teil.
Der BFD für über 27-Jährige dauert mindestens sechs, höchstens 18 Monate und kann Teil- oder Vollzeit absolviert werden. Die Freiwilligen nehmen an mehreren Tagesseminaren teil.

 

Viele junge Erwachsene möchten die Flüchtlingshilfe im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes unterstützen. Deshalb informiert der FSD Einrichtungen und Projekte der Flüchtlingshilfe gerne über die Möglichkeit eine BFD-Stelle einzurichten.

Kontakt und Koordination
Johanna Claßen
Tel.: 0221 47 44 13-47

Classen@fsd-koeln.de 

 

Weitere Infos zum FSD gibt es unter www.fsd-koeln.de