Familien mit Kindern eine Zukunft ohne Angst bieten. Köln-Mülheim

Flüchtlingshilfe als Zeichen der Nächstenliebe

Von großem Leid, ehrenamtlichem Engagement und einem Neubeginn 

In Deutschland fühlt sich Niko endlich sicher. Vor einem Jahr ist er mit seiner Frau und seinen beiden Kleinkindern nach Deutschland geflohen – in ihrer Heimat Albanien war die Familie nicht mehr sicher. Niko erzählt von Zuständen, die für Deutsche unfassbar sind. Von Korruption und einer Art Mafia, von Verfolgung und Angst. Dabei hatte seine Geschichte ganz gut begonnen: Niko und seine Frau Gysela machen Abitur und danach eine Ausbildung. Gysela wird Schneiderin, Niko erlangt eine Lizenz zum Kauf- und Verkauf von Kleidung. Später ist er auf einer höheren Position in einer Firma tätig. Die beiden machen einen guten Job – das passt ihrer Konkurrenz nicht. Durch SMS und Anrufe wird Niko bedrängt, die Firma und sogar das Land zu verlassen. Ansonsten drohen seine Konkurrenten ihm mit Verfolgung und sogar mit dem Tod: „Deine Frau tot, deine Kinder tot und du auch“, erinnert sich Niko.

Zum Schutz seiner Kinder nach Deutschland

Um die Kinder zu schützen, entscheiden sich Niko und Gysela zur Flucht nach Deutschland. Ihr Weg führt sie nach Köln-Mülheim, wo sie heute gemeinsam mit 150 anderen Flüchtlingen aus aller Welt in einem ehemaligen Hotel leben. Hier sind sie erst mal sicher und fühlen sich Willkommen. Die Familie bekommt viel Unterstützung, vor allem von der angehenden Lehrerin Martina Auler: Sie macht ihr Referendariat an einer Schule nahe des Hotels und hat von der Not der Flüchtlinge erfahren. Also hat sie die Patenschaft für Nikos Familie übernommen und sieht hier mindestens einmal pro Woche nach dem Rechten. Gemeinsam lernt sie mit Niko und Gysela Deutsch und unterstützt sie bei allen Herausforderungen des Alltags. „Als erstes bin ich mit der Familie in die nahegelegene Bücherei gegangen und habe ihr gezeigt, wo sie Lehrmaterial zur deutschen Sprache herbekommt“, sagt Martina Auler. Denn die Voraussetzung dafür, dass Niko und Gysela irgendwann in Deutschland arbeiten können, ist der Erwerb von Deutschkenntnissen. Dass sich Martina Auler neben ihrem zeitaufwändigen Referendariat noch Zeit für ehrenamtliche Arbeit nimmt, ist für sie selbstverständlich: „Für mich gehört das irgendwie dazu, Leuten in Not meine Zeit zu schenken. Das ist für mich ein Zeichen der Nächstenliebe.“ Ihr bedeutet die Arbeit mit der Familie viel, denn sie hat mittlerweile eine enge Beziehung zu allen vier Familienmitgliedern aufgebaut.

Koordination und Kontakt
Gemeindereferentin
Marianne Arndt
Tel. 0221 96490 296
E-Mail: arndt@clemens-mauritius.de
Web: www.clemens-mauritius.de

Darüber hinaus kann die Familie auch auf die Unterstützung der Kirchengemeinden im „Veedel“ bauen. Wie Martina Auler erzählt, gibt es in Köln-Mülheim eine Willkommenskultur. „Die Flüchtlinge bekommen viel Hilfe, sei es durch Lebensmittel- und Kleidungspenden, durch die Vermittlung von ehrenamtlichen Deutschlehrern oder Kindergartenplätzen.“ Nikos dreijähriger Sohn Egli hat Glück: Er hat einen Kindergartenplatz bekommen. Weil er noch so jung ist und täglich mit der deutschen Sprache konfrontiert wird, fällt ihm das Erlernen der fremden Sprache deutlich leichter als seinen Eltern.

Die Flüchtlinge untereinander sprechen Deutsch

Doch auch Niko und Gysela geben sich große Mühe. Auch sie müssen täglich Deutsch sprechen, weil sie mit den meisten anderen Hotelbewohnern auf keiner anderen Sprache kommunizieren können. Mit einigen von ihnen haben sich die beiden mittlerweile gut angefreundet. So zum Beispiel mit Dzemo aus Bosnien. Weil Nikos Kinder in seinem Zimmer gerade schlafen, gewährt Dzemo einen Einblick in seine Unterkunft hier. Dzemo hat vor kurzem geheiratet, dadurch hat er mit seiner Frau ein eigenes Zimmer im Hotel bekommen: Es ist etwa acht Quadratmeter groß. Auf dem Boden liegt eine dünne Matratze – etwa einen Meter breit – auf der die beiden zusammen schlafen. Daneben ist nur noch ein schmaler Durchgang mit einem winzigen Schränkchen und einer Nasszelle hinten in der Ecke. „Wir haben schon das beste Zimmer bekommen“, sagt Dzemo. „Wir haben einen kleinen Balkon hinten dran, den haben die anderen Zimmer nicht.“ Dzemos Eltern wohnen auch in dem Hotel. Sie schlafen gemeinsam mit zweien ihrer erwachsenen Kinder in einem Zimmer – im Hochbett. Trotzdem sind die meisten Flüchtlinge froh, hier in Sicherheit zu sein.

Das Zusammenleben klappt insgesamt gut, doch Martina Auler merkt, dass immer eine Sorge über den Köpfen der Menschen schwebt: „Darf ich hier in Deutschland bleiben oder muss ich wieder zurück in mein Heimatland?“ Niko und Gysela haben in Deutschland noch für sechs Monate eine Aufenthaltsgenehmigung. Was danach kommt, ist ungewiss. Doch eins weiß Niko sicher: Er möchte in Deutschland bleiben. Das ist für seine Familie das Sicherste und außerdem gefällt es ihm hier. Bei der Frage, was ihn ihm in Deutschland am besten gefällt, lacht Niko. „Die Zeit, die Uhr. Wenn man sagt zwei Uhr, kommen die Menschen um zwei Uhr.“ Dass das deutsche Wort für dieses Phänomen „Pünktlichkeit“ heißt, wird er heute noch lernen.

Text und Bild: Jana Banse