Deutsch lernen ist erst mal das Allerwichtigste. Köln-Mülheim

Ehrenamtliche geben Sprachkurs für Flüchtlinge in St. Clemens und Mauritius

„Wer ist das?“ Britta Schleicher deutet auf ein Foto vor ihr auf dem Tisch. Sie sitzt mit zwei Flüchtlingen zusammen, die sie mit großen Augen anschauen. „Das ist Thomas“, sagt der Albanier Neša langsam, aber bestimmt. In dem Aufenthaltsraum eines alten Hotels in Köln-Mülheim sitzen etwa 20 Flüchtlinge in Kleingruppen zusammen. Die Menschen schauen konzentriert, lesen laut Texte vor und lachen dabei viel – hier wird Deutsch gelernt. Bei jeder Übungsgruppe sitzt eine Frau, die als Ehrenamtliche ein bis zwei Mal pro Woche versucht, die deutsche Sprache zu vermitteln. Britta Schleicher ist eine von ihnen. In ihrem beruflichen Alltag unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache und auch in ihrer Freizeit lässt sie Bedürftige von ihrem Wissen profitieren: „Dass die Flüchtlinge Deutsch lernen, ist erst mal das Allerwichtigste. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich dabei helfe.“ Von ihrer Fachkompetenz profitieren auch die anderen Ehrenamtlichen: Britta Schleicher versorgt einige von ihnen mit Übungsmaterial, andere haben sich selbst Lehrbücher aus der Bibliothek ausgeliehen.

Über 150 Flüchtlinge leben in dem Köln-Mülheimer Hotel. Viele kommen aus Syrien, Albanien, den Balkanländern oder dem Irak. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft haben sie eins gemeinsam: Wegen schrecklicher Erlebnisse in ihrer Heimat sind sie nach Deutschland geflohen. Die deutsche Sprache ist für die meisten sehr schwer, doch sie helfen sich gegenseitig. Viele von ihnen nutzen das Sprachlernangebot der Ehrenamtlichen regelmäßig, es ist für sie ein fester Termin. Meist kommen deutlich mehr als 20 Personen, heute sind einige verhindert.

„Die Flüchtlinge kommen gerne hier her“, sagt Gloria Serra, die hier auch jede Woche nach ihrer Arbeit unterrichtet. „Sie haben ja sonst nicht so viel. Und viele wollen auch wirklich Deutsch lernen.“ Die anwesenden Flüchtlinge sind sich einig: Ohne Deutsch geht nichts, es ist fast unmöglich, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Auch wenn viele in ihrer Heimat eine Ausbildung oder sogar ein Studium absolviert haben, brauchen sie die deutsche Sprache.

Koordination und Kontakt
Gemeindereferentin
Marianne Arndt
Tel. 0221 96490 296
E-Mail: arndt@clemens-mauritius.de
Web: www.clemens-mauritius.de

Während sich die erwachsenen Besucher des Lerntreffs oft schwer tun, scheint die Fremdsprache ihren Kindern wenig Mühe zu bereiten. Einige haben einen Kindergartenplatz oder gehen in die Schule und beherrschen Deutsch daher schon gut. Bei der heutigen Lernrunde sitzen mehrere Kinder zusammen an Tischen, reden miteinander und malen. Dabei zeigen Leonard aus Albanien und Arrtutir aus Bosnien, dass Freundschaften auch über Ländergrenzen hinweg entstehen können: Gemeinsam malen sie ein Haus, dass sie mit unterschiedlichen Farben ausmalen. So bunt wie die Nationalitäten im Hotel.

Ins Leben gerufen hat die Begegnungsaktion u.a. Gemeindereferentin Marianne Arndt aus der Pfarrei „St. Clemens und Mauritius“. Sie freut sich, dass der Treff so gut angenommen wird: „Ich habe dabei auch gelernt, wie zuverlässig viele Flüchtlinge sind. Sie wollen mit anpacken, sie wollen etwas tun und ich kann mich zu hundert Prozent auf sie verlassen. Mit einigen sind richtige Freundschaften entstanden.“ Doch Marianne Arndt sieht auch die Schwierigkeiten: „Wir haben hier Leute, die haben überhaupt keine Schulbildung erfahren. Und eine Fremdsprache ohne Bildung in der eigenen Sprache zu erlernen, kostet unheimlich viel Kraft.“

Eine Anstrengung, die sich lohnt: Viele der regelmäßigen Besucher haben schon Fortschritte gemacht. Auch Neša und seine Schwester Iki können schon Grundlagen auf Deutsch. Und wenn Neša mit der Sprache mal nicht weiter kommt, dann hilft ihm immer noch sein nonverbales Ass im Ärmel: Ein herzliches Lachen.

Fotos und Text: Jana Banse