Flüchtlingshilfe Lengsdorf Akut kümmert sich um neue Nachbarn

Flüchtlingshilfe Lengsdorf Akut kümmert sich um neue Nachbarn

Unterwegs mit Freunden

Die Nase fest an das Fensterglas gedrückt, schaut  ein kleines Mädchen mit großen Augen gebannt einem Flusspferd hinterher, wie es seine Runden im XXL- Aquarium zieht. Es sind Momente der Faszination, die die schlimmen Erfahrungen und Erlebnisse  vergessen lassen, denn das Mädchen ist aus Syrien nach Deutschland geflohen.
Mit  ihrer Familie, anderen Flüchtlingen und den ehrenamtlichen Helfern der Flüchtlingsinitiative „Lengsdorf Akut“ besucht sie den Kölner Zoo.

Abwechslung und Perspektiven schaffen

„Es ist wichtig, dass wir den Menschen eine Abwechslung im Alltag verschaffen und so lernen sie gleichzeitig auch die Umgebung kennen.“ Für Wilfried Schneider ist es selbstverständlich, sich aktiv für die Flüchtlinge in seinem Heimatort Lengsdorf einzusetzen. In einem ehemaligen Bürogebäude des Bonner Ortsteils wohnen seit vergangenem Herbst  70 Flüchtlinge. Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, den Balkanländern und aus Somalia.
Der Zoobesuch ist auf jeden Fall ein voller Erfolg, nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen, die ihre kindliche Neugier wiederentdeckt haben. Zusammen laufen sie von einem Gehege zum nächsten – schauen sich Erdmännchen an und beobachten herumtollende Grizzlybären im Wassergraben. Ein ganz besonderes Highlight  sind die Fütterungen der Seehunde und Pinguine. Auch wenn sie die Tiere nicht selbst füttern dürfen, können sie dem Zoopersonal dabei über die Schulter blicken und jede Menge Fotos machen.

Gemeinsam „hoch hinaus“

Auch der Ausflug auf den Drachenfels im Siebengebirge wurde in vielen Bildern festgehalten. Bei strahlendem Sonnenschein sind die Flüchtlinge im Frühjahr dieses Jahres zusammen mit den ehrenamtlichen Begleitern und Familienpaten aus Lengsdorf mit der Zahnradbahn auf den Berg gefahren und konnten dort die Aussicht über das Rheintal genießen.

Große Hilfsbereitschaft

Die Flüchtlingshilfe „Lengsdorf Akut“ plant regelmäßig Ausflüge mit ihren neuen Nachbarn, die sie herzlich in ihrem Ort begrüßen. Entstanden ist die Initiative unter anderem durch den Diakon Werner Preller der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena und Christi Auferstehung kurz nachdem die Flüchtlinge nach Lengsdorf gekommen waren.
Es haben sich verschiedene Arbeitskreise gebildet, die sich jeweils um  Kleider- und Sachspenden, Freizeitangebote, Deutschunterricht und Begleitung zu Behörden, Schule und Kindergarten kümmern.

Die meisten Flüchtlinge haben auch schnell Fahrräder bekommen, die von Mitgliedern der Pfarrgemeinde gespendet und „flott“ gemacht wurden. „Für die Flüchtlinge ist es wichtig, dass sie mobil und unabhängig sind und zum Beispiel mit den Fahrrädern zum Einkaufen fahren können.“ Wilfried Schneider hatte die Idee zur Radspenden-Aktion.

„Es bewegt sich etwas“

Mobil sind die Flüchtlinge jetzt auch in ihrer Unterkunft, denn vor Kurzem haben sie einen Internetanschluss bekommen. Damit ist auch gleichzeitig ein Raum entstanden, der mit Laptops ausgestattet ist und den Flüchtlingen nun die Möglichkeit gibt, Deutschkurse am PC zu machen. Sie können das Internet auch für Weiterbildungs- und Arbeitsangebote nutzen, und natürlich um den Kontakt zu ihren Verwandten zu halten.

Für die Zukunft sind noch viele weitere Projekte geplant, die das Leben der Flüchtlinge hier in Deutschland erleichtern sollen.
„Es bewegt sich etwas, denn Integration kann nur von Mensch zu Mensch funktionieren“, so fasst es Wilfried Schneider zusammen.

Text: Theresa Meier

Bilder: Flüchtlingshilfe Lengsdorf Akut